Kur nach Diagnose
Kur bei Durchblutungsstörungen der Beine
Wenn die Wade nach zweihundert Metern brennt und man stehen bleiben muss, um weitergehen zu können, heißt das Schaufensterkrankheit. Die tschechische Indikationsliste führt Arterienerkrankungen der Gliedmaßen, Zustände nach Thrombosen und das chronische Lymphödem in der Gruppe der Kreislaufkrankheiten — und Marienbad behandelt sie mit Kohlensäurebädern und geführtem Gehtraining.

Was hier behandelt wird
- Arterienerkrankung der Gliedmaßen auf atherosklerotischer Grundlage im Stadium II b, also mit Schaufensterkrankheit
- Arterienerkrankung der Gliedmaßen auf entzündlicher Grundlage
- Funktionelle Störungen der peripheren Gefäße
- Zustand nach einer Thrombose, wenn die akute Phase abgeschlossen ist
- Chronisches Lymphödem der Beine
- Zustand nach rekonstruktiven und revaskularisierenden Operationen am Gefäßsystem außerhalb von Herz und Brustaorta sowie nach perkutaner Angioplastie
So läuft die Kur ab
Eingangsuntersuchung am Anreisetag
Der Kurarzt erhebt den Gefäßbefund, prüft Pulse, Hautzustand und Umfänge der Beine und fragt die schmerzfreie Gehstrecke ab — sie ist der Maßstab, an dem sich der Verlauf messen lässt. Bringen Sie den Befund Ihres Angiologen oder Gefäßchirurgen mit.
Erste Woche: Durchblutung und Gehstrecke
Kohlensäurebäder und trockene Gasbäder kommen täglich zum Einsatz, dazu geführtes Gehtraining auf flachen Wegen bis knapp unter die Schmerzgrenze — das ist die Belastung, auf die es beim Gehtraining ankommt.
Zweite Woche: Strecke verlängern
Die Gehstrecken werden länger, Steigungen kommen dazu. Beim Lymphödem stehen stattdessen manuelle Lymphdrainage und apparative Drainage im Vordergrund, ergänzt um Übungen, die den Rückfluss unterstützen.
Abschlussuntersuchung und Plan für zu Hause
Die schmerzfreie Gehstrecke wird erneut gemessen und mit dem Ausgangswert verglichen; der Befund geht in den Abschlussbericht. Sie erhalten ein Gehprogramm für zu Hause — ohne regelmäßiges Weitergehen bildet sich der Gewinn zurück.
Angewandte Anwendungen
- Kohlensäurebad im Mineralwasser
- Bad im örtlichen Mineralwasser bei rund 34 °C; das über die Haut aufgenommene Kohlendioxid ist bei Durchblutungsstörungen der Gliedmaßen die zentrale Anwendung.
- Trockenes Gasbad im Mariengas
- Anwendung des natürlichen Kohlendioxids der Marienquelle ohne Wasser und ohne Wärmebelastung — geeignet auch dort, wo warme Bäder nicht infrage kommen.
- Geführtes Gehtraining und Terrainkur
- Abgestufte Wege im Kurwald, mit Gehen bis knapp unter die Schmerzgrenze und anschließender Pause, in schrittweise längeren Etappen.
- Manuelle Lymphdrainage
- Beim chronischen Lymphödem: Griffe, die den Abfluss der Lymphflüssigkeit aus den Beinen unterstützen.
- Apparative Lymphdrainage
- Geräte wie Lymfoven und Lymfopress ergänzen die manuelle Behandlung des Lymphödems.
- Gruppenübungen und Bewegungstherapie im Becken
- Übungen für Ausdauer und Wadenmuskulatur, im Wasser mit geringerer Gelenkbelastung.
- Ernährungsberatung
- Einzelgespräche zu Blutfetten, Gewicht und Zuckerstoffwechsel, also zu den Risikofaktoren, die dem Gefäßbefund zugrunde liegen.
Wie lange und wann
Drei Positionen der tschechischen Indikationsliste kommen hier infrage. Arterienerkrankungen der Gliedmaßen auf atherosklerotischer Grundlage im Stadium II b oder auf entzündlicher Grundlage (II/4) sehen als Grundaufenthalt 21 Tage komplexe oder 21 Tage Zuschussbehandlung vor, der Wiederholungsaufenthalt ebenso, in bestimmten Fällen 14 Tage Zuschussbehandlung. Funktionelle Störungen der peripheren Gefäße, Zustände nach Thrombosen und das chronische Lymphödem (II/5) laufen über 21 Tage komplexe oder Zuschussbehandlung, der Wiederholungsaufenthalt über 21 oder 14 Tage Zuschussbehandlung. Zustände nach Gefäßoperationen und nach perkutaner Angioplastie (II/8) sehen 21 Tage komplexe oder Zuschussbehandlung vor. Selbstzahler stimmen die Dauer mit dem Kurarzt ab; als fachliche Untergrenze gelten mindestens 10 Anwendungen über mindestens 10 Tage.
Was die Studien zeigen
Für Durchblutungsstörungen der Beine ist die Studienlage bei den Anwendungen mit Kohlendioxid vergleichsweise am besten. In einer randomisierten Studie erhöhten Fußbäder in kohlensäurehaltigem Wasser (1000 mg CO₂ je Kilogramm, 33 °C, 30 Minuten, fünfmal wöchentlich über vier Wochen) den arteriellen Spitzenfluss, den Gewebesauerstoff und die schmerzfreie Gehstrecke, während gewöhnliches Wasser die Werte nicht veränderte (Hartmann et al., 1997, Angiology; kleines Kollektiv, künstlich angereichertes Wasser, Effektgröße im Abstract nicht angegeben). Eine Cross-over-Studie derselben Arbeitsgruppe mit 18 Patienten fand beim Eintauchen der Füße in Kohlensäurewasser einen Anstieg des laserdopplergemessenen Hautflusses und des Gewebesauerstoffs, in gewöhnlichem Wasser nicht (Hartmann et al., 1997, Angiology; einmaliges Bad, Surrogatparameter). Nach zwanzigminütiger Einwirkung von Kur-Kohlendioxidgas auf die Haut stiegen der Fluss in der Oberschenkelarterie, der Druck an der hinteren Schienbeinarterie und der Gewebesauerstoff des Fußes, während Wasserdampf gleicher Temperatur wirkungslos blieb (Savin et al., 1995, Angiology; sehr kleines Kollektiv, einmalige Anwendung). Für den Bewegungsanteil liegt hohe Evidenz vor: Ein Cochrane-Review zu Gehtraining bei Schaufensterkrankheit fand gegenüber üblicher Versorgung eine um durchschnittlich 82 Meter längere schmerzfreie und um 120 Meter längere maximale Gehstrecke, mit einem Effekt bis zu zwei Jahren (Lane et al., 2017, Cochrane Database Syst Rev; ambulante Übungsprogramme, nicht Kurbehandlung, die meisten Einzelstudien klein). Eine ältere Übersicht ordnet ein, dass kontrollierte Belege zur CO₂-Balneotherapie gerade für die periphere arterielle Verschlusskrankheit, trophische Ulzera und Mikroangiopathien vorliegen (Resch und Just, 1994, Wien Med Wochenschr). Keine dieser Arbeiten zeigt, dass die Kur eine Gefäßoperation oder die gefäßmedizinische Behandlung ersetzt.
Wann eine Kur nicht infrage kommt
- Kritische Extremitätenischämie mit Ruheschmerz oder drohendem Gewebeuntergang — das gehört in die Gefäßchirurgie, nicht in die Kur
- Frische tiefe Beinvenenthrombose in der akuten Phase
- Nicht abgeheilte Wunden und Geschwüre am Bein
- Herzinsuffizienz im Stadium NYHA IV, AV-Block zweiten bis dritten Grades und aktive Endokarditis
- Fortgesetztes Rauchen: die Indikationsliste verlangt für die Kreislaufgruppe Nikotinabstinenz
Ob und in welchem Umfang eine Kur bei Ihrem Gefäßbefund infrage kommt, entscheidet der Kurarzt bei der Eingangsuntersuchung anhand des angiologischen Befunds. Ruheschmerz, eine nicht heilende Wunde am Bein oder ein plötzlich kalt und blass werdendes Bein sind Notfälle und gehören umgehend in ärztliche Behandlung, nicht in eine Kurplanung. Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Häufige Fragen
Hilft eine Kur bei Schaufensterkrankheit?
Zwei Bausteine der Kur sind untersucht. Für Gehtraining liegt hohe Evidenz vor: Ein Cochrane-Review fand gegenüber üblicher Versorgung eine im Mittel um 82 Meter längere schmerzfreie und um 120 Meter längere maximale Gehstrecke, mit Wirkung bis zu zwei Jahren — allerdings in ambulanten Programmen, nicht in Kuraufenthalten. Für Fußbäder in kohlensäurehaltigem Wasser zeigte eine randomisierte Studie einen Anstieg von arteriellem Spitzenfluss, Gewebesauerstoff und schmerzfreier Gehstrecke, während gewöhnliches Wasser wirkungslos blieb; das Kollektiv war klein. In Marienbad kommen beide Bausteine zusammen.
Wird eine Kur bei Durchblutungsstörungen bezahlt?
Für Versicherte einer tschechischen Krankenkasse kommen drei Positionen infrage: Arterienerkrankungen der Gliedmaßen im Stadium II b oder auf entzündlicher Grundlage (II/4), funktionelle Störungen peripherer Gefäße, Zustände nach Thrombosen und chronisches Lymphödem (II/5) sowie Zustände nach Gefäßoperationen und nach Angioplastie (II/8). Vorgesehen sind jeweils 21 Tage komplexe oder Zuschussbehandlung. Gäste mit einer Versicherung außerhalb Tschechiens klären die Kostenübernahme vorab mit ihrem eigenen Kostenträger.
Darf ich nach einer Thrombose zur Kur?
Nach Abschluss der akuten Phase ja; der Zustand nach einer Thrombose steht als Teil der Position II/5 auf der Indikationsliste. In der akuten Phase ist eine Kur ausgeschlossen. Wie lange der Abstand sein muss und welche Anwendungen möglich sind, entscheidet der Kurarzt anhand des Befunds Ihres behandelnden Arztes — bringen Sie ihn deshalb mit.
Was wird beim Lymphödem gemacht?
Im Vordergrund stehen die manuelle Lymphdrainage und die apparative Drainage mit Geräten wie Lymfoven und Lymfopress, ergänzt um Übungen, die den Rückfluss unterstützen. Das chronische Lymphödem ist Teil der Position II/5 der Indikationsliste. Nicht abgeheilte Wunden am Bein schließen eine Reihe von Anwendungen aus, deshalb werden die Beine bei der Eingangsuntersuchung angesehen.
Muss ich für die Kur mit dem Rauchen aufhören?
Für Aufenthalte über die tschechische Indikationsliste ja — Nikotinabstinenz ist für die Gruppe der Kreislaufkrankheiten eine Voraussetzung, die in der Verordnung selbst steht. Bei Arterienerkrankungen der Beine ist das Rauchen zudem der Faktor, der den Verlauf am stärksten bestimmt.
Quellen
Studien und offizielle Dokumente, auf die sich dieser Artikel stützt. Unsere Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.
- Indikationsliste für die Kurbehandlung (Verordnung Nr. 2/2015 Slg.), Gruppe II — Positionen II/4, II/5 und II/8 — Arterienerkrankungen der Gliedmaßen (II/4), funktionelle Störungen peripherer Gefäße, Zustände nach Thrombosen und chronisches Lymphödem (II/5) sowie Zustände nach Gefäßoperationen und perkutaner Angioplastie (II/8): jeweils 21 Tage komplexe oder Zuschussbehandlung.
- Verordnung Nr. 2/2015 Slg. über die fachlichen Kriterien der kurmedizinischen Rehabilitationspflege — Gruppe II — Vollständiger Wortlaut der Indikationsliste für Kreislaufkrankheiten samt Kontraindikationen (AV-Block II. bis III. Grades, NYHA IV, aktive Endokarditis), geforderter Nikotinabstinenz und Eingangsuntersuchungen. Tschechischer Text.
- Hartmann BR et al. 1997, Angiology — randomisierte Studie zu wiederholten Kohlensäure-Fußbädern bei Claudicatio intermittens — Fußbäder in Kohlensäurewasser erhöhten arteriellen Spitzenfluss, Gewebesauerstoff und schmerzfreie Gehstrecke; gewöhnliches Wasser nicht. Kleines Kollektiv, künstlich angereichertes Wasser, Effektgröße im Abstract nicht angegeben.
- Hartmann BR et al. 1997, Angiology — Cross-over-Studie, 18 Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit — In Kohlensäurewasser stiegen Hautdurchblutung und Gewebesauerstoff, in gewöhnlichem Wasser nicht. Einmaliges Bad, Surrogatparameter.
- Savin E et al. 1995, Angiology — Studie zu transkutanem CO₂ bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit im Stadium II — Nach 20 Minuten Einwirkung von Kur-CO₂-Gas stiegen femoraler Fluss, Druck an der A. tibialis posterior und Gewebesauerstoff des Fußes; Wasserdampf gleicher Temperatur blieb wirkungslos. Sehr kleines Kollektiv, einmalige Anwendung.
- Lane R et al. 2017, Cochrane Database Syst Rev — Review zu Gehtraining bei Claudicatio intermittens — Übungsprogramme verlängerten die schmerzfreie Gehstrecke um durchschnittlich 82 m und die maximale um 120 m gegenüber üblicher Versorgung, mit Effekt bis zu 2 Jahren. Ambulante Programme, nicht Kurbehandlung.
- Resch KL, Just U 1994, Wien Med Wochenschr — Übersicht zu Möglichkeiten und Grenzen der CO₂-Balneotherapie — Kontrollierte Belege nur für periphere arterielle Verschlusskrankheit, trophische Ulzera, Mikroangiopathien und leichte Hypertonie. Ältere Übersicht.
Gesundheitsangaben zuletzt geprüft:
