Kur nach Diagnose
Kur bei Verdauungsbeschwerden
Marienbad wurde durch ein Wasser berühmt, das schon vor dem ersten Kurhotel für seine Wirkung auf die Verdauung bekannt war. Die Kur bei Verdauungsbeschwerden stützt sich auf die Trinkkur aus sulfathaltigen Quellen wie dem Kreuzbrunnen, ein individuelles Diätprogramm und ärztliche Begleitung über mehrere Wochen.

Was hier behandelt wird
- Chronische und rezidivierende Erkrankungen von Magen und Darm mit anhaltenden Beschwerden trotz Standardtherapie (Position III/1)
- Crohnsche Krankheit und Colitis ulcerosa (III/3)
- Chronische Erkrankungen von Gallenblase und Gallentrakt mit Steinleiden sowie funktionelle Störungen des Gallentrakts (III/4)
- Nachgewiesene chronische Pankreatitis sowie Zustände nach akuter Pankreatitis (III/8)
- Zustände nach Operationen von Magen, Zwölffingerdarm oder Darm mit endoskopisch gesicherter postoperativer Symptomatik
So läuft die Kur ab
Eingangsuntersuchung am Anreisetag
Der Kurarzt sichtet gastroenterologische Befunde, bei postoperativen Zuständen auch endoskopische Berichte, und legt Quelle, Menge und Zeitpunkt der Trinkkur individuell fest. Bringen Sie aktuelle Befunde mit — ohne sie kann kein verbindlicher Plan entstehen.
Trinkkur und Anwendungen am Vormittag
Der Tag beginnt vor dem Frühstück an der Quelle mit Becher und langsamem Gang; danach folgen Mineralbäder, trockene Kohlensäurebäder oder durchblutungsfördernde Verfahren nach Verordnung. Nach jeder Anwendung folgt Ruhe im Liegen.
Diät und Bewegung am Nachmittag
Die Kurküche kocht nach dem verordneten Diätsystem; der Nachmittag gehört leichter Bewegung, meist Gehen in den Kurwäldern, die die Verdauung unterstützt.
Wöchentliche Kontrolle und Abschlussbericht
Einmal wöchentlich passt der Arzt Trinkplan und Diät an. Zum Abschluss erhalten Sie einen Bericht für Ihren behandelnden Arzt und Empfehlungen für die Ernährung zu Hause.
Angewandte Anwendungen
- Trinkkur aus dem Kreuzbrunnen
- Sulfat-hydrogenkarbonat-natriumhaltiges Wasser mit mild abführender Wirkung; Menge, Temperatur und Zeitpunkt vor der Mahlzeit legt der Arzt individuell fest.
- Trinkkur aus dem Ferdinandsbrunnen
- Der Zusammensetzung des Kreuzbrunnens nah, bei Stoffwechsel- und Verdauungsindikationen eingesetzt.
- Diätprogramm der Kurküche
- Individuell zusammengestellter Speiseplan nach Diagnose, etwa bei Gallensteinleiden oder nach einer Magenoperation.
- Trockenes Kohlensäurebad
- Aus dem örtlichen Mariengas mit 99,7 % CO₂; unterstützt Entspannung und Durchblutung als Teil des Tagesplans.
- Physikalische Therapie
- Elektro- oder Magnettherapie, bei manchen Diagnosen ergänzend zur Trinkkur und Diät verordnet.
- Bewegung im Gehen
- Langsames Gehen zwischen den Trinkschlucken und am Nachmittag unterstützt die Passage und ist die empfohlene leichte Aktivität bei Verdauungsdiagnosen.
Wie lange und wann
Die Dauer richtet sich nach der Position der Indikationsliste: bei chronischen Magen-Darm-Erkrankungen (III/1) 21 Tage Zuschuss-Kurbehandlung, bei Crohnscher Krankheit und Colitis ulcerosa (III/3) 21 Tage komplexe oder Zuschuss-Kurbehandlung, bei chronischen Gallenblasen- und Gallenwegsleiden (III/4) 21 Tage Zuschuss-Kurbehandlung und bei chronischer Pankreatitis (III/8) 21 Tage komplexe oder Zuschuss-Kurbehandlung. Selbstzahler wählen meist zwei bis drei Wochen nach Absprache mit dem Kurarzt. Spätsommer und Herbst gelten als günstig, weil sich Ferienreisen und unregelmäßige Mahlzeiten dann meist schon bemerkbar gemacht haben und die Stadt nach der Hauptsaison ruhiger ist.
Was die Studien zeigen
Für sulfat- und magnesiumreiches Mineralwasser bei funktioneller Verstopfung liegt eine doppelblinde randomisierte Studie mit 226 Teilnehmern vor: Nach 14 Tagen sprachen 50 % auf die Behandlung an gegenüber 29 % unter Kontrollwasser; es handelte sich um ein französisches Wasser anderer Zusammensetzung (Dupont et al., 2019, Nutrition). Eine placebokontrollierte Studie mit 106 Teilnehmern fand nach sechs Wochen mit einem halben Liter Sulfatwasser täglich mehr spontane Stuhlgänge und eine bessere Konsistenz, bei nur grenzwertig signifikantem primärem Endpunkt (Bothe et al., 2015, Eur J Nutr). Eine britische diätetische Leitlinie von 2025 nennt Wasser mit höherem Mineralgehalt deshalb als eine Option bei chronischer Verstopfung, mit niedriger bis mittlerer Evidenzsicherheit (Dimidi et al., 2025, J Hum Nutr Diet). Zur Gallenblase ist die Datenlage spärlicher: In einer kontrollierten Studie mit 40 Teilnehmern verkleinerte sich nach zwölf Tagen Trinken eines Sulfat-Hydrogencarbonat-Wassers das Nüchternvolumen der Gallenblase, bei häufigerem Stuhlgang; es war ein italienisches Wasser anderer Zusammensetzung und eine kleine Stichprobe (Corradini et al., 2012, World J Gastroenterol). Zu Crohnscher Krankheit, Colitis ulcerosa und chronischer Pankreatitis liegen keine vergleichbaren kontrollierten Studien zur Trinkkur vor; die Behandlung stützt sich hier auf die Erfahrung der Kurmedizin und die engmaschige ärztliche Begleitung.
Erfahrung und laufende Forschung
Die Trinkkur an der Kreuzquelle bei Verdauungsbeschwerden ist der älteste Anlass, aus dem Gäste nach Marienbad kommen; Menge, Quelle und Zeitpunkt legt bis heute der Kurarzt einzeln fest. Wie es dem einzelnen Gast dabei ergeht, bleibt nicht ungeprüft: Jeder Behandlungsaufenthalt beginnt mit einer Eingangs- und endet mit einer Abschlussuntersuchung samt schriftlichem Abschlussbericht, sodass der Verlauf dokumentiert ist und der Kurarzt den Plan unterwegs anpassen kann. Für die Kurmedizin als Fach entsteht derzeit erstmals seit Langem systematische Evidenz. Das Institut lázeňství a balneologie, v.v.i., die 2019 vom Karlsbader Kreis gegründete Forschungseinrichtung für Kurwesen und Balneologie, führt seit 2026 gemeinsam mit den Léčebné lázně Mariánské Lázně die erste klinische Studie dieses Formats seit dreißig Jahren durch. Sie betrifft urologische und nephrologische Diagnosen, nicht die auf dieser Seite beschriebene: Mehr als hundert Patienten werden vor und nach dem Kuraufenthalt auf Gesundheitszustand und Lebensqualität untersucht, fachlicher Garant ist prim. MUDr. Ladislav Špišák, CSc.; Ergebnisse liegen noch nicht vor. Die Studie läuft im Projekt Zentrum für Kurforschung (2024 bis 2027), das aus dem Operationellen Programm Gerechter Übergang finanziert wird und mit der Tschechischen Technischen Universität, der Westböhmischen Universität und der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik zusammenarbeitet. Was dabei herauskommen kann, zeigt die frühere Zusammenarbeit desselben Instituts mit den Marienbader Kurhäusern: Die gemeinsame Studie zur Kurrehabilitation nach COVID-19 erhielt 2021 den Innovation Award der European Spas Association in der Kategorie Medical Spa Scientific Research.
Wann eine Kur nicht infrage kommt
- Akute Magen-Darm-Erkrankungen, akute Infektionen oder eine floride Verschlechterung ohne vorherige fachärztliche Abklärung
- Fehlende endoskopische oder gastroenterologische Befunde zur Sicherung der Diagnose, vor allem bei postoperativen Zuständen
- Akute Infektionskrankheiten, aktive Tumorerkrankung mit Anzeichen des Fortschreitens, ausgeprägte Kachexie
- Schwangerschaft sowie Unfähigkeit zur Selbstversorgung ohne Begleitperson
Ob und in welcher Form eine Kur für Sie infrage kommt, entscheidet der Kurarzt bei der Eingangsuntersuchung anhand Ihrer gastroenterologischen Befunde. Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Häufige Fragen
Wofür ist Marienbad als Kurort bekannt?
Marienbad ist historisch vor allem für seine Wirkung auf Verdauung und Stoffwechsel bekannt. Über vierzig kalte Mineralquellen treten im Stadtgebiet zutage; der sulfat-hydrogenkarbonat-natriumhaltige Kreuzbrunnen mit einer Gesamtmineralisation von 9 845 mg/l gilt als das Aushängeschild für Verdauungsindikationen.
Welche Kur hilft bei Verdauungsbeschwerden?
Die tschechische Indikationsliste führt Verdauungserkrankungen als eigene Gruppe III, unter anderem chronische Magen-Darm-Beschwerden (III/1), Crohnsche Krankheit und Colitis ulcerosa (III/3) sowie chronische Gallenblasen- und Gallenwegsleiden (III/4). Die Behandlung kombiniert eine ärztlich verordnete Trinkkur mit einem individuellen Diätprogramm.
Wie wirkt der Kreuzbrunnen auf die Verdauung?
Der Kreuzbrunnen enthält 3 130 mg/l Sulfat und 2 700 mg/l Natrium — die Verbindung, die umgangssprachlich Glaubersalz heißt und mild abführend wirkt. In einer kontrollierten Studie mit einem vergleichbaren Sulfat-Hydrogencarbonat-Wasser verkleinerte sich nach zwölf Tagen das Nüchternvolumen der Gallenblase, bei häufigerem Stuhlgang. Menge und Zeitpunkt legt stets der Kurarzt fest.
Wie lange dauert eine Kur bei Verdauungsbeschwerden?
Nach der Indikationsliste sind es je nach Diagnose meist 21 Tage, bei Wiederholungsaufenthalten teils 14 Tage Zuschuss-Kurbehandlung. Selbstzahler wählen meist zwei bis drei Wochen — kürzere Aufenthalte wirken eher rekonvaleszent.
Kann ich mit einer Gallenblasenerkrankung zur Kur kommen?
Ja, chronische Erkrankungen von Gallenblase und Gallentrakt sind eine eigene Position der Indikationsliste (III/4). Voraussetzung ist ein aktueller gastroenterologischer Befund; die Eignung beurteilt der Kurarzt bei der Eingangsuntersuchung.
Quellen
Studien und offizielle Dokumente, auf die sich dieser Artikel stützt. Unsere Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.
- Klinische Studie zu den objektiven Wirkungen der komplexen Kurbehandlung bei urologischen und nephrologischen Diagnosen (NCT07435844) — Laufende Studie des Instituts lázeňství a balneologie mit den Léčebné lázně Mariánské Lázně, mehr als hundert Patienten, Beginn 2026. Sie betrifft urologische und nephrologische Diagnosen; Ergebnisse liegen noch nicht vor.
- Indikationsliste für die Kurbehandlung (Verordnung Nr. 2/2015 Slg.), Gruppe III — Krankheiten des Verdauungssystems — Positionen III/1, III/3, III/4 und III/8 mit Versorgungsart und Dauer (K oder P 21 Tage, je nach Diagnose).
- Offizielles Tourismusportal der Stadt Mariánské Lázně — Kreuzbrunnen (Křížový pramen) — Wasseranalyse (Mineralisation 9 845 mg/l, Sulfat 3 130 mg/l, Natrium 2 700 mg/l, freies CO₂ 2 305 mg/l); Öffnungszeit des Pavillons 6–18 Uhr.
- Antonelli M et al. 2021, Int J Biometeorol — Übersicht über 49 systematische Reviews zur Kurmedizin — Am besten belegter Nutzen bei ausgewählten muskuloskelettalen Beschwerden; für Inhalations- und Trinkkuren Belege „begrenzter, wenn auch interessant".
- Dupont C et al. 2019, Nutrition — doppelblinde randomisierte Studie, 226 Patienten mit funktioneller Obstipation — Sulfat-Magnesium-Wasser: Ansprechen nach 14 Tagen bei 50 % vs. 29 % unter Kontrollwasser. Vom Hersteller finanziert; französisches Wasser anderer Zusammensetzung.
- Bothe G et al. 2015, Eur J Nutr — doppelblinde placebokontrollierte randomisierte Studie, 106 Teilnehmer mit funktioneller Obstipation — 500 ml Sulfatwasser täglich über 6 Wochen erhöhte spontane Stuhlgänge und verbesserte die Konsistenz. Primärer Endpunkt nur grenzwertig signifikant.
- Dimidi E et al. 2025, J Hum Nutr Diet — britische diätetische Leitlinie (GRADE) zur chronischen Obstipation — Wasser mit höherem Mineralgehalt unter den Optionen bei chronischer Obstipation genannt. Evidenzsicherheit niedrig bis mittel.
- Corradini SG et al. 2012, World J Gastroenterol — kontrollierte Studie, 40 Teilnehmer — 12 Tage Sulfat-Hydrogencarbonat-Wasser: kleineres Nüchternvolumen der Gallenblase, häufigerer Stuhlgang. Kleine Stichprobe, italienisches Wasser anderer Zusammensetzung.
Gesundheitsangaben zuletzt geprüft:
