Kur nach Diagnose
Kur bei Atemwegserkrankungen
Chronische Atemwegserkrankungen wie Asthma, COPD oder rezidivierende Bronchitis bilden in Marienbad eine eigene Indikationsgruppe. Die Kur stützt sich auf Inhalationen aus dem kohlensäurereichen Waldquell, Atemtherapie und ein seit 2023 amtlich anerkanntes heilklimatisches Klima in rund 630 Metern Höhe.

Was hier behandelt wird
- Bronchialasthma und chronische obstruktive Lungenkrankheit (COPD) (Position V/5 der Indikationsliste)
- Bronchiektasen sowie rezidivierende Entzündungen der unteren Atemwege, auch als anerkannte Berufskrankheit (V/4)
- Interstitielle Lungenfibrose jeder Ätiologie in ständiger Behandlung (V/6)
- Allergische Rhinitis und chronische Entzündungen der oberen Atemwege
- Zustände nach durchgemachten Lungenentzündungen, einschließlich Folgen von COVID-19
So läuft die Kur ab
Eingangsuntersuchung am Anreisetag
Der Kurarzt sichtet Lungenfunktionsbefunde und Medikation und stellt den Behandlungsplan zusammen. Bringen Sie aktuelle Befunde von Pneumologe oder Hausarzt sowie eine Medikamentenliste mit.
Zwei bis drei Anwendungen täglich
Vormittags Inhalation aus dem Waldquell und Atemtherapie, ergänzt um Kohlensäurebäder oder Gasinjektionen nach ärztlicher Verordnung. Nach jeder Anwendung folgt Ruhe im Liegen.
Klimatherapie und Terrainkur
Geführte Gehstrecken auf dem historischen Promenadennetz im submontanen Klima, in Tempo und Steigung an die Kondition angepasst. Das Gehen an frischer Luft ist Teil der Behandlung, kein Freizeitprogramm.
Wöchentliche Kontrolle und Abschlussbericht
Der Arzt prüft wöchentlich Atemwegsbefund und -funktion und passt Inhalationen und Übungen an. Zum Abschluss erhalten Sie einen Bericht für Ihren behandelnden Arzt und ein Atemübungsprogramm für zu Hause.
Angewandte Anwendungen
- Mineralwasser-Inhalation aus dem Waldquell
- Fein vernebeltes Wasser befeuchtet die Schleimhäute und wird traditionell zur Schleimlösung eingesetzt; meist zwei Anwendungen täglich.
- Atemtherapie
- Einzeln und in der Gruppe mit Physiotherapeuten: verlängerte Ausatmung, Zwerchfellatmung, Hustentechnik — der Teil der Kur, den man dauerhaft mitnimmt.
- Kohlensäurebad
- Über die Haut aufgenommenes CO₂ erweitert die kleinen Gefäße und steigert die Hautdurchblutung; bei Atemwegsdiagnosen eine ergänzende Anwendung.
- Trockenes Gasbad und Gasinjektionen
- CO₂ aus dem örtlichen Mariengas ohne Kreislaufbelastung durch Wasser, wenn ein Vollbad zu anstrengend wäre.
- Klimatherapie und Terrainkur
- Geführtes Gehen im heilklimatisch anerkannten Talkessel; angeleitetes Gehen ist bei COPD als Training zur Verbesserung von Lebensqualität und Gehausdauer untersucht.
- Trinkkur
- Ergänzend je nach Diagnose; welche Quelle, Menge und welcher Zeitpunkt gelten, legt der Arzt individuell fest.
- Ergänzende Anwendungen
- Massagen, Salzgrotte oder Entspannungstechniken je nach Befund, bei Atemnot und Anspannung.
Wie lange und wann
Bei Asthma und COPD (Position V/5) trägt die tschechische Krankenkasse 28 Tage komplexe oder 21 Tage Zuschuss-Kurbehandlung; bei Bronchiektasen und rezidivierenden Entzündungen der unteren Atemwege (V/4) sind es 21 Tage mit Wiederholungsmöglichkeit, bei interstitieller Lungenfibrose (V/6) 28 Tage komplexe oder 21 Tage Zuschuss-Kurbehandlung. Selbstzahler wählen meist zwei bis drei Wochen nach Absprache mit dem Kurarzt. Für die Jahreszeit gibt es keine medizinische Vorgabe, doch der Herbst gilt wegen zurückgehender Pollenbelastung und als Vorbereitung auf die Heizperiode als besonders geeignet.
Was die Studien zeigen
Eine systematische Übersicht über 27 Studien zur Inhalation von Mineralwässern beschreibt eine bessere Nasendurchgängigkeit und einen besseren mukoziliären Transport, weist aber auf die geringe Qualität und Heterogenität der Studien hin (Fontana et al., 2025, Int J Biometeorol). Eine weitere systematische Übersicht zu Asthma und COPD findet eine verbesserte Lungenfunktion bei Asthma (Calzetta et al., 2024, J Clin Med; die Zahl hochwertiger randomisierter Studien ist begrenzt). Für Training im Wasser bei COPD gelten die Belege laut einer narrativen Übersicht als stark, für Schwefelinhalationen wird eine bessere mukoziliäre Clearance beschrieben (Khaltaev et al., 2020, J Thorac Dis). Eine ungarische Vorher-Nachher-Studie ohne Kontrollgruppe an 678 Patienten mit Asthma oder COPD verzeichnete nach einem dreiwöchigen Programm mit täglicher Atemtherapie im Freien einen Anstieg des mittleren FEV1-Werts von 71,0 auf 77,7 % des Sollwerts; der Einfluss des Klimas lässt sich darin nicht von Training und Betreuung trennen (Müller et al., 2018, Eur J Integr Med). Angeleitetes Gehen selbst ist bei COPD in einer multizentrischen randomisierten Studie mit 143 Patienten belegt: Es verbesserte nach 8 bis 10 Wochen Lebensqualität und Gehausdauer gegenüber üblicher Versorgung — allerdings in einem ambulanten Programm, nicht in einem Kuraufenthalt (Wootton et al., 2014, Eur Respir J). Keine der Studien zeigt eine Veränderung des Krankheitsverlaufs von Asthma oder COPD selbst.
Erfahrung und laufende Forschung
Inhalationen aus der Waldquelle, Atemtherapie und Klimatherapie gehören in Marienbad seit Generationen zum Programm bei Atemwegserkrankungen; seit 2023 ist der Ort durch Entscheidung des Gesundheitsministeriums als Klimakurort anerkannt. Wie es dem einzelnen Gast dabei ergeht, bleibt nicht ungeprüft: Jeder Behandlungsaufenthalt beginnt mit einer Eingangs- und endet mit einer Abschlussuntersuchung samt schriftlichem Abschlussbericht, sodass der Verlauf dokumentiert ist und der Kurarzt den Plan unterwegs anpassen kann. Für die Kurmedizin als Fach entsteht derzeit erstmals seit Langem systematische Evidenz. Das Institut lázeňství a balneologie, v.v.i., die 2019 vom Karlsbader Kreis gegründete Forschungseinrichtung für Kurwesen und Balneologie, führt seit 2026 gemeinsam mit den Léčebné lázně Mariánské Lázně die erste klinische Studie dieses Formats seit dreißig Jahren durch. Sie betrifft urologische und nephrologische Diagnosen, nicht die auf dieser Seite beschriebene: Mehr als hundert Patienten werden vor und nach dem Kuraufenthalt auf Gesundheitszustand und Lebensqualität untersucht, fachlicher Garant ist prim. MUDr. Ladislav Špišák, CSc.; Ergebnisse liegen noch nicht vor. Die Studie läuft im Projekt Zentrum für Kurforschung (2024 bis 2027), das aus dem Operationellen Programm Gerechter Übergang finanziert wird und mit der Tschechischen Technischen Universität, der Westböhmischen Universität und der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik zusammenarbeitet. Was dabei herauskommen kann, zeigt die frühere Zusammenarbeit desselben Instituts mit den Marienbader Kurhäusern: Die gemeinsame Studie zur Kurrehabilitation nach COVID-19 erhielt 2021 den Innovation Award der European Spas Association in der Kategorie Medical Spa Scientific Research.
Wann eine Kur nicht infrage kommt
- Akute Infektionskrankheiten der Atemwege und eine akute Verschlechterung (Exazerbation) im floriden Stadium
- Aktive Tumorerkrankung mit klinisch feststellbaren Anzeichen des Andauerns oder Fortschreitens der Krankheit
- Nicht kompensierte Herzinsuffizienz oder ausgeprägte Kreislaufschwäche
- Schwangerschaft sowie Unfähigkeit zur Selbstversorgung ohne Begleitperson
Ob und in welchem Umfang eine Kur für Sie infrage kommt, entscheidet der Kurarzt bei der Eingangsuntersuchung anhand Ihrer Lungenfunktionsbefunde. Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Häufige Fragen
Wohin zur Kur bei Atemwegserkrankungen?
Marienbad ist als Kurort für die offizielle Indikationsgruppe V — netuberkulöse Krankheiten der Atemorgane — gelistet. Grundlage sind der kohlensäure- und hydrogencarbonatreiche Waldquell zur Inhalation, natürliches Kohlendioxid für Gasbäder und ein seit 2023 amtlich anerkanntes heilklimatisches Klima in rund 630 Metern Höhe.
Hilft eine Kur bei Asthma oder COPD?
Asthma und COPD (Position V/5) sind eine erstattete Indikation. Eine systematische Übersicht beschreibt bei Asthma verbesserte Lungenfunktion, bei COPD gemischte Ergebnisse, bei insgesamt wenigen hochwertigen Studien; angeleitetes Gehen ist als Training bei COPD in einer randomisierten Studie belegt. Die Kur ersetzt keine verordneten Medikamente.
Was bringt die Inhalation von Mineralwasser?
Fein vernebeltes Wasser aus dem Waldquell befeuchtet die Schleimhäute und wird traditionell zur Schleimlösung eingesetzt. Eine systematische Übersicht über 27 Studien beschreibt danach eine bessere Nasendurchgängigkeit und einen besseren mukoziliären Transport, weist aber auf die geringe Qualität der zugrunde liegenden Studien hin.
Warum eignet sich der Herbst besonders für diese Kur?
Die Pollenbelastung geht im Herbst deutlich zurück, während die Heizperiode beginnt, die die oberen Atemwege zusätzlich austrocknet. Zwei bis drei Wochen in feuchter, kühler Waldluft mit täglicher Inhalation gelten deshalb als gute Vorbereitung auf den Winter.
Wie lange dauert eine Kur bei Atemwegserkrankungen?
Bei Asthma und COPD trägt die tschechische Krankenkasse 28 Tage komplexe oder 21 Tage Zuschuss-Kurbehandlung, bei Bronchiektasen 21 Tage. Selbstzahler wählen meist zwei bis drei Wochen; die erste spürbare Erleichterung stellt sich in der Regel im Verlauf der ersten Woche ein.
Quellen
Studien und offizielle Dokumente, auf die sich dieser Artikel stützt. Unsere Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.
- Klinische Studie zu den objektiven Wirkungen der komplexen Kurbehandlung bei urologischen und nephrologischen Diagnosen (NCT07435844) — Laufende Studie des Instituts lázeňství a balneologie mit den Léčebné lázně Mariánské Lázně, mehr als hundert Patienten, Beginn 2026. Sie betrifft urologische und nephrologische Diagnosen; Ergebnisse liegen noch nicht vor.
- Indikationsliste für die Kurbehandlung (Verordnung Nr. 2/2015 Slg.), Gruppe V — Netuberkulöse Krankheiten der Atemorgane — Positionen V/4–V/6 mit Versorgungsart und Dauer (z. B. V/5 Asthma/COPD: K 28 oder P 21; V/4 Bronchiektasen: K 21).
- Offizielles Tourismusportal der Stadt Mariánské Lázně — Waldquelle (Lesní pramen) — Wasseranalyse (freies CO₂ 2 960 mg/l, Hydrogencarbonat 1 352 mg/l, Natrium 549 mg/l); traditionelle Nutzung zur Inhalation und Trinkkur.
- Fontana M et al. 2025, Int J Biometeorol — systematische Übersicht über 27 Studien zur Inhalation von Mineralwässern — Bessere Nasendurchgängigkeit, mukoziliärer Transport und einige Lungenparameter. Geringe Qualität und Heterogenität der Studien.
- Calzetta L et al. 2024, J Clin Med — systematische Übersicht zur Balneotherapie bei Asthma und COPD — Verbesserte Lungenfunktion bei Asthma, gemischte Ergebnisse bei COPD; wenige hochwertige randomisierte Studien.
- Khaltaev N et al. 2020, J Thorac Dis — narrative Übersicht zur Balneotherapie bei chronischen Atemwegserkrankungen — Training im Wasser bei COPD hat starke Belege; Schwefelinhalationen verbessern die mukoziliäre Clearance. Narrative Übersicht.
- Müller A et al. 2018, Eur J Integr Med — Vorher-nachher-Studie, 678 Patienten mit Asthma und COPD, dreiwöchiges Klimaprogramm — FEV1 stieg von 71,0 auf 77,7 % des Sollwerts. Ohne Kontrollgruppe; Einfluss des Klimas nicht von Training und Betreuung trennbar.
- Wootton SL et al. 2014, Eur Respir J — multizentrische randomisierte Studie, 143 Patienten mit COPD — Angeleitetes Gehen 2–3× wöchentlich über 8–10 Wochen verbesserte Lebensqualität und Gehausdauer. Ambulantes Programm, kein Kuraufenthalt.
Gesundheitsangaben zuletzt geprüft:
