Kur nach Diagnose
Kur bei Nierensteinen
Nierensteine gehören zu den ältesten Behandlungsanlässen Marienbads: Die hydrogenkarbonatreichen Mineralquellen des Ortes werden seit dem 19. Jahrhundert für die Trinkkur genutzt. Die tschechische Indikationsliste führt die Nephrolithiasis ohne Harnstauung als eigene Position, ergänzt um die Nachbehandlung nach Eingriffen an Niere und Harnwegen.

Was hier behandelt wird
- Nierensteine (Nephrolithiasis) ohne aktuelle Harnstauung, insbesondere Kalziumoxalat-Steine
- Nephrokalzinose
- Nachbehandlung nach Steinzertrümmerung (ESWL) oder anderen Eingriffen an Niere und Harnwegen
- Vorbeugung erneuter Steinbildung durch ärztlich angeleitete Trinkmengensteigerung
So läuft die Kur ab
Eingangsuntersuchung am Anreisetag
Der Kurarzt sichtet Bildgebung, Steinanalyse (falls vorhanden) und Nierenfunktion und legt einen individuellen Trinkplan fest. Bringen Sie aktuelle Ultraschall- oder CT-Befunde sowie, wenn bekannt, die Zusammensetzung des Steins mit.
Trinkkur nach festem Zeitplan
Mineralwasser aus den zugewiesenen Quellen wird zu festen Tageszeiten in ansteigender Menge getrunken. Ziel ist eine ausreichende Urinmenge über den Tag, nicht eine feste Trinkmenge — der Kurarzt passt die Menge individuell an.
Ergänzende Bewegung
Spaziergänge auf den Kurwegen und dosierte Bewegung unterstützen den allgemeinen Stoffwechsel und die Flüssigkeitsverteilung über den Tag.
Wöchentliche Kontrolle und Abschlussbericht
Der Kurarzt kontrolliert Urinwerte und passt den Trinkplan an. Zum Abschluss erhalten Sie einen Bericht für Ihren Urologen und einen Trinkplan für zu Hause.
Angewandte Anwendungen
- Quellenwahl nach Steinzusammensetzung
- Die Quellen des Ortes unterscheiden sich chemisch erheblich, deshalb richtet sich die Auswahl nach der Steinart: die Karolinenquelle bei Steinen unbekannter Zusammensetzung und bei Oxalatsteinen, die Waldquelle mit ihrem hohen Hydrogenkarbonatgehalt bei Harnsäuresteinen, die Ambrosiusquelle bei Kalzium-Phosphat-Steinen. Die Rudolfsquelle ist bei Phosphatsteinen nicht geeignet.
- Trinkkur an den Mineralquellen
- Hydrogenkarbonatreiches Mineralwasser erhöht Harnmenge, Urin-pH und Zitratausscheidung und senkt so die Übersättigung, aus der sich Kalziumoxalatsteine bilden.
- Individuelle Trinkmengenanpassung
- Der Kurarzt legt Menge und Zeitpunkte nach Steinart, Nierenfunktion und Begleiterkrankungen fest.
- Ernährungsberatung
- Zu Salz-, Eiweiß- und Oxalataufnahme, als Baustein der Rezidivprophylaxe neben der Trinkkur.
- Bewegungstherapie
- Spaziergänge und dosierte Bewegung als allgemeiner Bestandteil des Kurprogramms, ohne eigenen direkten Nachweis für die Steinbildung.
- Regelmäßige Urinkontrolle
- pH-Wert und weitere Urinparameter werden während des Aufenthalts wiederholt geprüft, um den Trinkplan anzupassen.
- Nachsorge nach Litotrypsie
- Die Trinkkur unterstützt das Ausspülen von Steinfragmenten nach extrakorporaler Stoßwellenlithotripsie (ESWL).
Wie lange und wann
Bei Nephrolithiasis ohne Harnstauung (Position VIII/2) trägt die tschechische Krankenkasse 21 Tage komplexe oder Zuschuss-Kurbehandlung, Wiederholungsaufenthalte 21 oder 14 Tage Zuschuss; nach Eingriffen an Niere und Harnwegen einschließlich Nachsorge nach Litotrypsie (VIII/3) sind es ebenfalls 21 Tage. Selbstzahler wählen meist zwei bis drei Wochen. Die Trinkkur lässt sich das ganze Jahr über durchführen, eine bevorzugte Jahreszeit gibt es medizinisch nicht.
Was die Forschung zur Trinkkur bei Nierensteinen zeigt
Der Mechanismus ist gut untersucht: In einer Crossover-Studie an gesunden Männern erhöhte Wasser mit 1715 mg Hydrogenkarbonat pro Liter den Urin-pH und die Zitratausscheidung und senkte Oxalat sowie die Übersättigung für Kalziumoxalat und Harnsäure, vergleichbar mit Kaliumcitrat (Kessler T, Hesse A, 2000, Br J Nutr; gesunde Probanden, keine Patienten). Eine doppelblinde Crossover-Studie mit 34 Patienten mit wiederkehrenden Kalziumoxalatsteinen fand unter 1,5 l Wasser mit 2673 mg Hydrogenkarbonat pro Liter einen Urin-pH von 6,73, höhere Zitrat- und Magnesiumwerte sowie eine geringere Kalziumoxalat-Übersättigung, bei gleichzeitig höherem Risiko für Phosphatsteine; auch normales Wasser senkte die Übersättigung, allein durch die Trinkmenge (Karagülle O et al., 2007, World J Urol; nur 3 Tage, kleine Stichprobe). Eine 12-wöchige RCT mit 51 Patienten fand unter hydrogenkarbonatreichem Wasser höhere Urinmenge, Magnesium, pH und Zitrat gegenüber normalem Wasser, während sich Oxalat und der Tiseliu-Index nicht unterschieden (Lu Y et al., 2022, Int Urol Nephrol; offene Studie). Die europäische Leitlinie zur Rezidivprophylaxe nennt ausreichende Flüssigkeitszufuhr neben Kalzium- und Kochsalzsteuerung als Basis der Vorbeugung (Skolarikos A et al., 2024, Eur Urol). Ein Übersichtsartikel beschreibt die Trinkkur oligomineralischer Wässer mit dem Ziel von mindestens 2,5 l Urin täglich als Baustein der Prävention bei entsprechend veranlagten Patienten sowie zum Ausspülen von Fragmenten nach Litotrypsie (Mennuni G et al., 2015, Clin Ter; narrativ). In Marienbad selbst läuft seit 2026 erstmals seit 30 Jahren eine klinische Studie zu den objektiven Effekten der Kurbehandlung bei urologischen und nephrologischen Diagnosen mit über 100 begleiteten Patienten; Ergebnisse liegen noch nicht vor (Institut lázeňství a balneologie & Léčebné lázně Mariánské Lázně, 2026, ClinicalTrials.gov NCT07435844). Keine dieser Studien zeigt, dass die Trinkkur bestehende Steine auflöst oder eine notwendige Steinzertrümmerung ersetzt; ihr belegter Effekt betrifft die Urinzusammensetzung und die Vorbeugung neuer Steine.
Wann eine Kur nicht infrage kommt
- Akute Harnstauung, Kolik oder Verschluss der Harnwege — hier ist eine urologische Akutbehandlung nötig, keine Kur
- Floride Harnwegsinfektion mit Fieber
- Ungeklärte Blutung aus den Harnwegen
- Allgemeine Kontraindikationen: unkontrollierte Herzinsuffizienz, aktive Tumorerkrankung, Schwangerschaft
Ob und in welchem Umfang eine Kur für Sie infrage kommt, entscheidet der Kurarzt bei der Eingangsuntersuchung anhand Ihrer Bildgebung und Nierenfunktion. Diese Seite informiert und ersetzt keine urologische Beratung.
Häufige Fragen
Welche Quelle trinkt man bei welchem Nierenstein?
Die Zuordnung nimmt der Kurarzt vor und richtet sich nach der Zusammensetzung des Steins. Bei Steinen unbekannter Zusammensetzung und bei Oxalatsteinen wird die Karolinenquelle verordnet. Bei Harnsäuresteinen die Waldquelle: Sie enthält viel Hydrogenkarbonat und alkalisiert den Harn, und Harnsäuresteine lassen sich durch Alkalisierung auflösen. Bei Kalzium-Phosphat-Steinen die Ambrosiusquelle. Die Rudolfsquelle, sonst die bekannteste des Ortes, ist bei Phosphatsteinen ausdrücklich nicht geeignet. Trinken Sie deshalb nie eine andere Quelle oder eine andere Menge als verordnet.
Welche Kur hilft bei Nierensteinen?
Marienbad führt Nephrolithiasis ohne Harnstauung als offizielle Indikation (Position VIII/2) und setzt dafür eine strukturierte Trinkkur aus den hydrogenkarbonatreichen Mineralquellen ein. Kontrollierte Studien zeigen, dass solches Wasser den Urin-pH und die Zitratausscheidung erhöht und die Übersättigung für Kalziumoxalat senkt.
Hilft eine Kur in Marienbad bei Nierensteinen?
Die allgemeine Wirkung hydrogenkarbonatreicher Mineralwässer auf die Urinzusammensetzung ist durch mehrere kontrollierte Studien belegt. Speziell für Marienbad läuft seit 2026 erstmals seit 30 Jahren eine eigene klinische Studie zu urologischen und nephrologischen Diagnosen; ihre Ergebnisse liegen noch nicht vor.
Wie viel Mineralwasser trinkt man bei einer Trinkkur?
Es gibt keine feste Literzahl für alle Gäste: Der Kurarzt legt die Trinkmenge individuell fest, mit dem Ziel einer ausreichenden Urinmenge über den Tag. Ein Übersichtsartikel zur Nierensteinprävention nennt als Orientierung mindestens 2,5 l Urin täglich.
Kann ich mit Nierensteinen ohne Symptome zur Kur fahren?
Ja, das ist der typische Fall für Position VIII/2: Nephrolithiasis ohne aktuelle Harnstauung. Liegt eine akute Kolik, ein Harnwegsverschluss oder eine fieberhafte Infektion vor, ist zunächst eine urologische Akutbehandlung nötig, keine Kur.
Ersetzt die Trinkkur eine Steinzertrümmerung (ESWL)?
Nein. Die Trinkkur ergänzt die urologische Behandlung, etwa zur Nachsorge nach einer Litotripsie und zum Ausspülen von Fragmenten, ersetzt aber keinen notwendigen Eingriff bei größeren oder stauenden Steinen.
Quellen
Studien und offizielle Dokumente, auf die sich dieser Artikel stützt. Unsere Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.
- Léčebné lázně Mariánské Lázně — Behandlung urologischer Erkrankungen — Seite des Betreibers: Zuordnung der Quellen zur Steinart — Karolinenquelle bei unbekannter Zusammensetzung und Oxalatsteinen, Waldquelle bei Harnsäuresteinen, Ambrosiusquelle bei Kalzium-Phosphat-Steinen. Tschechischer Text.
- Indikationsliste für die Kurbehandlung (Verordnung Nr. 2/2015 Slg.), Gruppe VIII — Krankheiten des Harnsystems — Positionen VIII/2 (Nephrolithiasis ohne Harnstauung, Nephrokalzinose) und VIII/3 (Zustände nach Operationen an Niere und Harnwegen) mit Versorgungsart und Dauer.
- Kessler T, Hesse A 2000, Br J Nutr — Crossover-Studie, gesunde Männer — Hydrogenkarbonatreiches Wasser erhöhte Urin-pH und Zitrat, senkte Oxalat und Übersättigung für Kalziumoxalat und Harnsäure. Gesunde Probanden, keine Patienten.
- Karagülle O et al. 2007, World J Urol — doppelblinde Crossover-Studie, 34 Patienten — Höhere Zitrat- und Magnesiumwerte, geringere Kalziumoxalat-Übersättigung, höheres Phosphatstein-Risiko. Nur 3 Tage, kleine Stichprobe.
- Lu Y et al. 2022, Int Urol Nephrol — RCT, 51 Patienten mit Kalziumoxalatsteinen — 12 Wochen: höhere Urinmenge, Magnesium, pH und Zitrat gegenüber normalem Wasser. Offene Studie.
- Skolarikos A et al. 2024, Eur Urol — EAU-Leitlinienupdate — Ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Kalziumzufuhr, weniger Salz und Eiweiß als Basis der Rezidivprophylaxe.
- Mennuni G et al. 2015, Clin Ter — Übersichtsartikel zur Trinkkur bei Nephrolithiasis — Trinkkur oligomineralischer Wässer mit Ziel ≥2,5 l Urin täglich als Vorbeugung und zur Nachsorge nach Litotrypsie. Narrativ.
- Institut lázeňství a balneologie & Léčebné lázně Mariánské Lázně 2026, ClinicalTrials.gov (NCT07435844) — Laufende klinische Studie zur Kurbehandlung bei urologischen und nephrologischen Diagnosen in Marienbad, über 100 Patienten. Ergebnisse noch nicht verfügbar.
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