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Das Wort des Arztes: die Ambrosiusquelle, Eisensäuerling und Quelle der Liebe

Zweiter Teil der Reihe „Das Wort des Arztes": MUDr. Pavel Knára über eine der ältesten Quellen der Stadt. Drei eisenhaltige Austritte, zwei Jahrhunderte Quellfassung, die traditionelle Anwendung bei der Trinkkur — und die Legende um Goethe und Ulrike, der die Quelle ihren Beinamen verdankt.

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Das Wort des Arztes: die Ambrosiusquelle, Eisensäuerling und Quelle der Liebe

Eine der ältesten Quellen der Stadt

Der zweite Teil der Reihe Das Wort des Arztes gilt einer Quelle, an der man beim Spaziergang durch den Kurpark kaum vorbeikommt. Die Ambrosiusquelle entspringt im Park vor dem Hotel Centrální Lázně, wenige Schritte von der Kleinen Kolonnade entfernt. MUDr. Pavel Knára, emeritierter Chefarzt des Hauses Nové Lázně, zählt sie in der Hotelzeitung Marienbad News zu den ältesten Quellen der Stadt. Wir geben seine Worte hier sinngemäß wieder und ergänzen sie um Fakten aus dem Buch über die Marienbader Mineralquellen, dessen Mitautor er ist.

Die Geschichte gibt ihm recht. Schon 1760 beschrieb A. J. Scrinci die Quelle als Mineralwasser zum gewöhnlichen Trinken, sechs Jahre später führte J. J. Zauschner sie unter ihrem heutigen Namen — zu Ehren des Tepler Abtes Hieronymus Ambrosius (Jeroným Ambrož).

Von der Holzverschalung zum Ziegelkegel

An der Ambrosiusquelle lässt sich ablesen, wie sich die Technik der Quellfassung wandelte. 1807 erhielt sie eine damals übliche Holzverschalung, die ein Jahrhundert hielt. 1826 ersetzte ein neugotischer Pavillon den schlichten hölzernen Unterstand. 1911 wurde die Quelle in Steinzeugrohre gefasst — und als der Eisengehalt, dessentwegen man sie trank, 1925 deutlich zurückging, folgte 1926 eine vollständige Neufassung. In sieben Metern Tiefe legte man drei Gruppen von Austritten frei; eine kegelförmige Fassung aus hart gebrannten Ziegeln nahm sie auf, drei Rohre führten sie in Überlaufvasen. Laut Buch ist diese Fassung bis heute unverändert. Wie die anderen Quellen gefasst wurden, erzählt der Beitrag Wie die Quellen gefasst wurden.

Drei Austritte, eine Zusammensetzung

Es gibt drei Ambrosiusquellen, bezeichnet mit I, II und III. Wie MUDr. Knára betont, unterscheiden sie sich in ihrer chemischen Zusammensetzung praktisch nicht. Fachlich sind es einfache Eisensäuerlinge — kalt, hypoton, schwach bis mittel mineralisiert.

KennwertAmbrosiusquellen I–III
Eisen (Fe)15,6 mg/l
Kalzium (Ca)57,7 mg/l
Magnesium (Mg)24 mg/l
Natrium (Na)55,3 mg/l
Gesamtmineralisierung469–564 mg/l
Freies Kohlendioxid2 580 mg/kg

Komplexanalyse 2013 und Kontrollanalyse 2017 laut dem Buch „Minerální prameny v Mariánských Lázních k pitné léčbě" (Bartoš, Nečasová, Knára, 2018).

Verglichen mit kräftigen Quellen wie dem Kreuzbrunnen ist es ein sanftes Wasser: Es gehört zu den Marienbader Quellen mit dem geringsten Natrium- und Kalziumgehalt. Die Autoren des Buches zählen es daher auch zu den Quellen, an denen man sich einfach erfrischen kann.

Eisen, das man an Ort und Stelle trinkt

Wegen ihres Eisengehalts wurde die Ambrosiusquelle früher bei Eisenmangelanämie verordnet. MUDr. Knára merkt dazu gelassen an, dass es heute ausgezeichnete Medikamente gegen Blutarmut gibt und man die Ambrosiusquelle dafür nicht mehr so dringend braucht.

Mit dem Eisen hängt auch ein praktischer Rat aus dem Buch zusammen: In der Quelle liegt das Eisen zweiwertig vor; sobald das Wasser an die Luft kommt, oxidiert es rasch zu dreiwertigem Eisen. In einer Flasche, die eine Weile steht, zeigt sich dann eine rostfarbene Trübung bis hin zum Bodensatz. Deshalb trinkt man die Ambrosiusquelle — wie die anderen eisenhaltigen Quellen — am besten frisch, direkt am Trinkbrunnen. Mehr dazu sagt MUDr. Knára im dritten Teil der Reihe über die Waldquelle.

Wofür die Ambrosiusquelle heute traditionell verwendet wird

Laut MUDr. Knára und dem ärztlichen Katalog von Ensana aus dem Jahr 2025 wird die Ambrosiusquelle heute bei der Trinkkur bei einer bestimmten Art von Nierensteinen verordnet — bei Kalziumphosphatsteinen. Es handelt sich um eine traditionelle Anwendung im Rahmen der Trinkkur nach ärztlicher Verordnung; ob und wie sie für Sie in Frage kommt, beurteilt der Arzt anhand der Harnuntersuchung und der Art des Steins.

Nierensteine ohne Harnstau gehören zu den Indikationen der Marienbader Kur. Die vollständige Übersicht finden Sie auf der Seite Indikationen und Kontraindikationen, den Zusammenhang mit der gesamten Behandlung im Beitrag über die Behandlung von Nieren und Harnwegen.

Welche Quelle Sie trinken, in welcher Menge und zu welcher Tageszeit, legt der Kurarzt bei der Eingangsuntersuchung fest. Über die Trinkkur und ihre Dosierung entscheidet er. Wie eine Kur üblicherweise abläuft, beschreibt unser Trinkkur-Ratgeber.

Die Legende von der Quelle der Liebe

Und nun zu dem, weswegen an der Ambrosiusquelle auch Gäste stehen bleiben, die gar nicht zur Trinkkur gekommen sind. MUDr. Knára erzählt die Legende, die sich um die Quelle rankt.

Johann Wolfgang von Goethe weilte drei Sommer nacheinander, von 1821 bis 1823, in Marienbad — da war er bereits über siebzig. Hier begegnete er seiner letzten großen Liebe, der jungen Ulrike von Levetzow; bei der ersten Begegnung war sie siebzehn, beim letzten Sommer neunzehn Jahre alt. Der Überlieferung nach trank Goethe in jener Zeit regelmäßig große Mengen aus der Ambrosiusquelle und war danach voller Kraft. Daher der Beiname Quelle der Liebe — und der Brauch: Wer sich in Marienbad verlieben möchte, trinkt von der Ambrosiusquelle. MUDr. Knára fügt schmunzelnd hinzu, dass er nun an der Quelle mit erheblichem Andrang rechnet.

Eine andere Erzählung erklärt den Beinamen mit der angeblichen Wirkung der Quelle auf Schönheit und Frische. Beide Fassungen gehören zu den Kurlegenden, nicht zu den ärztlichen Empfehlungen. Wie die Geschichte von Goethe und Ulrike ausging und wie Sie heute auf seinen Spuren spazieren, lesen Sie im Beitrag Auf Goethes Spuren.

Wo Sie die Ambrosiusquelle finden

Die drei Austritte liegen im Kurpark vor dem Hotel Centrální Lázně, unterhalb der Kolonnade; von der Kleinen Kolonnade an der Karolinenquelle sind es nur ein paar Schritte über den Weg. Lage und Beschreibung der Quelle finden Sie in der Quellenübersicht. Nehmen Sie Ihren Kurbecher mit — und wenn Sie schon einmal hier sind, schadet die Legende sicher nicht.

Weitere Teile der Reihe „Das Wort des Arztes"

  • Rudolfsquelle — das Heilwasser mit Kalzium und Magnesium
  • Ambrosiusquelle — Eisensäuerling und die Legende um Goethe (dieser Beitrag)
  • Waldquelle — warum man Mineralwasser direkt an der Quelle trinkt

Alle Quellen und die Frage, wann die Trinkkur in Marienbad eingesetzt wird, finden Sie auf der Seite Mineralquellen.


Die Aussagen von MUDr. Pavel Knára geben wir sinngemäß nach seiner Kolumne in der Hotelzeitung Marienbad News 3/2024 wieder, die der Betreiber der Ensana-Kurhotels herausgibt (internes Material). Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung; über die Aufnahme der Trinkkur in den Behandlungsplan und über ihre Dosierung entscheidet der Kurarzt.

Quellen

Studien und offizielle Dokumente, auf die sich dieser Artikel stützt. Unsere Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.

  1. Bartoš J., Nečasová D., Knára P.: Minerální prameny v Mariánských Lázních k pitné léčbě (Die Mineralquellen in Marienbad zur Trinkkur). FORNICA graphics, 2018, ISBN 978-80-87194-54-6 — Fassungsgeschichte der Ambrosiusquellen (1807, 1826, 1911, 1926), Klassifikation und Analysentabelle (Komplexanalyse 2013, Kontrollanalyse 2017), Hinweis auf die Oxidation des zweiwertigen Eisens an der Luft.
  2. Marienbad News 3/2024 — Kolumne „Das Wort des Arztes: Ambrož-Quelle" (MUDr. Pavel Knára), deutsche und tschechische Ausgabe — Hotelzeitung der Ensana Health Spa Hotels, internes Material des Betreibers. Die Aussagen des Arztes einschließlich der Goethe-Legende geben wir sinngemäß wieder; gesundheitsbezogene Aussagen übernehmen wir nur als traditionelle Anwendung.
  3. Ärztlicher Katalog der Ensana Health Spa Hotels Mariánské Lázně 2025 — Mineralquellen zur Trinkkur — Internes Material des Betreibers: Die Ambrosiusquellen sind schwach mineralisierte Eisensäuerlinge; bei der Trinkkur werden sie bei Nierensteinen verordnet, insbesondere bei Kalziumphosphatsteinen. Die Trinkkur legt stets der behandelnde Arzt fest.
  4. Indikationen und Kontraindikationen der Kurbehandlung in Marienbad — Übersicht der Krankheiten, die in Marienbad behandelt werden, darunter Nephrolithiasis ohne Harnstau, sowie der allgemeinen Kontraindikationen.
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