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Elf Kurstädte, ein Welterbe: Marienbad und seine Schwesterstädte in Europa

Marienbad ist eine von elf Kurstädten in sieben Ländern, die 2021 gemeinsam auf die UNESCO-Welterbeliste kamen. Ein Rundgang von Baden bei Wien bis Bath: was die Städte verbindet, wodurch sich jede auszeichnet und wie Sie mehrere von ihnen auf einer Reise verbinden.

culture 9 min
Elf Kurstädte, ein Welterbe: Marienbad und seine Schwesterstädte in Europa

Marienbad ist nicht allein

Am 24. Juli 2021 trug das Welterbekomitee der UNESCO die Bedeutenden Kurstädte Europas (The Great Spa Towns of Europe) in die Welterbeliste ein. Die serielle Stätte besteht aus elf Städten in sieben Ländern — und Marienbad ist eine von ihnen. Was die Eintragung für unsere Stadt bedeutet, beschreiben wir auf der Seite zum UNESCO-Welterbe und im Beitrag Warum Marienbad auf der UNESCO-Liste steht. Hier gehen wir einen Schritt weiter und stellen die zehn Schwesterstädte vor.

Die Stätte wurde auf Grundlage der Kriterien (ii) und (iii) eingetragen: als Zeugnis eines Austauschs von Ideen, der Medizin und Kurwesen beeinflusste, und als außergewöhnliches Zeugnis der europäischen Kurkultur, die etwa von 1700 bis in die 1930er-Jahre ihre Blütezeit erlebte.

Was einen „großen Kurort" ausmacht

Die Städte unterscheiden sich in Größe, Landschaft und Baustil, teilen aber ein Grundmuster, das sich durch alle elf zieht:

  • Quellen und Kurgebäude, in denen man das Wasser nutzte: Bäder, Trinkhallen, Brunnenhäuser, außerdem Bautypen wie Kurhaus und Kursaal.
  • Orte der sanften Bewegung: Promenaden, Kolonnaden und Galerien, Kurparks und Gärten, dazu ein Netz von Wegen in den Wäldern ringsum.
  • Gesellschaftliche Orte: Kursäle, Casinos, Theater, Konzert- und Tanzsäle, in denen man sich traf.
  • Hotels und Villen in großer Zahl, denn die Gäste kamen in Scharen.
  • Kurspezifische Infrastruktur wie Standseilbahnen zu Aussichtspunkten oder Restaurants, Bahnanschlüsse und Anlagen zur Abfüllung des Wassers.
  • Sichtbeziehungen zwischen den Gebäuden und der umgebenden Landschaft.
Die Hauptkolonnade von Marienbad mit Café-Tischen unter der Gusseisenkonstruktion und der Promenade dahinter
Kolonnade, Café, Promenade: In Marienbad ist das Grundmuster der großen Kurorte bis heute im Alltag zu erleben.

Die elf Städte im Kurzporträt

Österreich: Baden bei Wien

Nur 30 Kilometer von Wien entfernt, war Baden ein bevorzugter Sommerkurort der Habsburger und zugleich ein Treffpunkt hochrangiger Politik. Die Stadt verbindet Biedermeier-Architektur des frühen 19. Jahrhunderts mit Bauten aus der Zeit um 1900. Im Mittelpunkt des Kurviertels liegt der Kurpark mit Kurhaus, Trinkhalle, Sommerarena und Musikpavillon. Musikalisch ist der Ort mit Mozart, Beethoven und Johann Strauss verbunden.

Belgien: Spa

Spa, die „Perle der belgischen Ardennen", trug bereits im 17. Jahrhundert dazu bei, dass Mineralwasser als Kurmittel Anerkennung fand. Das Wasser wurde in ganz Europa verschickt, und der Ortsname ging als „spa" in den englischen Wortschatz ein. Die Quellen auf einem bewaldeten Hang südlich der Stadt sind bis heute durch Waldpromenaden mit dem Zentrum verbunden. Spa galt als „Café Europas" und als Vorreiter des Spielbetriebs. Im 19. Jahrhundert entstand hier ein Kurort mit französisch-klassizistischer Architektur; heute setzt ein neues Thermalzentrum mit Blick auf die Stadt die Tradition fort.

Tschechien: Franzensbad, Karlsbad und Marienbad

Alle drei tschechischen Städte gehören zum westböhmischen Bäderdreieck — und alle drei sind von Marienbad aus gut zu erreichen.

Františkovy Lázně (Franzensbad) ist eine im 19. Jahrhundert planvoll angelegte Kurstadt. Ihr harmonisches Bild beruht auf barocker Symmetrie und einem dreifachen Parkgürtel, in dem 24 Quellen mit ihren Pavillons durch lange, gerade Promenaden verbunden sind. Ausgedehnte Wälder und Moore umgeben die Stadt; Franzensbad gilt als eines der ersten Moorbäder der Welt. Auch Goethe war hier wiederholt zu Gast.

Karlovy Vary (Karlsbad) gilt als „Salon Europas unter freiem Himmel", der Königshäuser, Staatsoberhäupter und Künstler beherbergte. Prägend sind die geysirartige Quelle, der Sprudel, und das reiche Kurensemble im Tal der Teplá mit Bauten des Historismus und des Jugendstils. Terrassierte Talhänge, Villen, Promenaden und Aussichtsbauten formen die Kurlandschaft. Die Trinkkur sieht man hier auf den Kolonnaden bis heute: Gäste mit dem traditionellen Porzellan-Kurbecher in der Hand.

Mariánské Lázně (Marienbad) ist das „Kurbad im Park", eine „neue Kurstadt" des frühen 19. Jahrhunderts. Ab den 1870er-Jahren erlangte der Ort internationales Ansehen als Treffpunkt von Königshäusern und Adel, als Schauplatz politischer Verhandlungen, wissenschaftlicher Zusammenkünfte und als Inspirationsort für die Künste. Zum Bild gehören die zahlreichen Mineralquellen, der zentrale Park, die Kolonnade und die Singende Fontäne sowie ein Ensemble von Kurgebäuden aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Quellen entspringen in einem Gürtel bewaldeter Hügel, von Wegen für Spaziergänge durchzogen. Die Kur wird in Marienbad noch immer in den ursprünglichen Kurgebäuden mit erhaltener Ausstattung gepflegt.

Die Singende Fontäne vor der gelben Hauptkolonnade von Marienbad, dahinter bewaldete Hügel
Die Singende Fontäne vor der Hauptkolonnade: das Herz des Marienbader Kurparks.

Frankreich: Vichy

Vichy, die „Königin der Kurstädte", prägte die europäische Badekultur des 19. Jahrhunderts wesentlich mit. Es liegt in der Ebene am Fluss Allier und verbindet Pariser Stadtplanung mit Kurpromenaden mitten in der Stadt. Napoleon III. förderte den Bau der neuen Kurstadt mit Parks und Boulevards, ein kosmopolitisches „Klein-Paris" mit großen Badeanlagen, Trinkhallen, überdachten Promenaden, Casino, Theater, Hotels und Villen.

Deutschland: Bad Ems, Baden-Baden und Bad Kissingen

Bad Ems ist ein kompaktes „Kaiserbad" in einem tief eingeschnittenen Tal, in dem sich ablesen lässt, wie sich die europäische Badekultur über die Jahrhunderte wandelte. Die Thermalquellen liegen am Fluss gebündelt, dort befindet sich auch das Kurviertel. Die Bauten reichen vom mittelalterlichen „Wildbad" über das höfische Leben des Barock bis zum mondänen Kurort des 19. Jahrhunderts. Im Umland gibt es anspruchsvolle Heilpfade und hohe Felsaussichten.

Baden-Baden, die „Sommerhauptstadt Europas", war im 19. Jahrhundert ein bevorzugtes Ziel der herrschenden und kulturellen Elite. Am Westrand des Schwarzwalds gelegen, hat der Ort das Mineralwasser seit der Antike genutzt. Das Kurviertel entstand auf der anderen Seite der Oos, gegenüber der Altstadt; Kurhaus und Casino machten die Stadt weltberühmt. Bis heute bestehen historische und neue Thermen nebeneinander, und Musik und Theater werden lebendig gepflegt.

Bad Kissingen verbindet Klassizismus des 19. Jahrhunderts mit der Moderne der Reformzeit um 1900. Der Architekt Max Littmann baute und erneuerte fast den gesamten Kurbezirk. Die Stadt entwickelte sich außerhalb der mittelalterlichen Befestigung entlang der Quellen und der Saale; Kurgarten, Parks und bewaldete Hänge gehen fließend ineinander über. Seit 1874 kam mehrfach Reichskanzler Otto von Bismarck; seine Wohnräume sind im Oberen Salinengebäude erhalten.

Italien: Montecatini Terme

Montecatini Terme ist der „Gartenkurort Europas": Aus einem Gartenbad des späten 18. Jahrhunderts wurde ein Landschaftskurort. Die monumentale Kurarchitektur gruppiert sich um vier Hauptquellen in einer Oase aus Gärten, Park und Promenaden. Die Vegetation geht in Kiefernwälder und terrassierte Olivenhaine über; eine historische Standseilbahn führt hinauf nach Montecatini Alto. Verdi, Puccini und Leoncavallo gehörten zu den Künstlern, die hier Gäste waren.

Vereinigtes Königreich: Bath

Bath gilt als eine der frühesten und einflussreichsten „großen Kurstädte". Um ein Zentrum heißer Quellen entstand im 18. Jahrhundert das großzügige georgianische Bath, das königliche Familien und Hochadel häufig besuchten. Prägend sind palladianische Ensembles, Crescents und Plätze. Die Zeremonienmeister des Kurorts entwickelten Verhaltensregeln, die den Umgang der Gesellschaft mitprägten und vielen Kurorten des Kontinents als Vorbild dienten. Die heißen Quellen werden dort seit rund 2 000 Jahren genutzt.

Mehrere Städte, eine Reise

Die Initiative empfiehlt, die Kurstädte nicht alle auf einmal, sondern in Gruppen von zwei oder drei zu besuchen — und in jeder mindestens drei Tage zu bleiben, damit neben Sehenswürdigkeiten auch Zeit zum Ausruhen bleibt. Alle elf in einer Reise abzuhaken, würde etwa drei Wochen dauern und wäre alles andere als erholsam.

Sieben der elf Städte bilden einen mitteleuropäischen Verbund: Baden bei Wien, die drei tschechischen und die drei deutschen. Marienbad ist ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge in die Nachbarstädte: Karlsbad und Franzensbad liegen im selben Bäderdreieck; mehr dazu auf unseren Ausflugsseiten zu Karlsbad und Franzensbad.

Eine hübsche Randnotiz: Nach der Medienmappe der Initiative besuchte der spätere König Edward VII. mindestens acht der elf Kurorte. Wer Marienbad auf seinen Spuren erkunden möchte, findet die Edward-Route.

Ein Hinweis zur Kur

Wenn Sie in einer dieser Städte eine Kur planen: Über Anwendungen und Behandlungspläne entscheidet der Kurarzt vor Ort, und die Angebote unterscheiden sich von Haus zu Haus. Für Marienbad lesen Sie unsere Übersicht zu den Mineralquellen.

Quellen

Studien und offizielle Dokumente, auf die sich dieser Artikel stützt. Unsere Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.

  1. Große Kurbäder Europas — Mediakit & Häufig gestellte Fragen (07/2021), Sekretariat der Great Spas of Europe — Gedruckte Medienmappe der Initiative (CZ/DE), Stand Juli 2021, vor der Eintragung in die Welterbeliste; Grundlage für die Kurzporträts der elf Städte und die Reisehinweise. Die Kriterien der Eintragung und den heutigen Namen der Stätte geben wir nach unserer Seite zum UNESCO-Welterbe wieder, nicht nach der Medienmappe.
  2. The Great Spa Towns of Europe — gemeinsame Website der elf Städte — Offizielle Seite der Stätte mit allen Komponenten.
  3. UNESCO-Welterbe — Marienbad.com — Eintragung am 24. Juli 2021, Kriterien (ii) und (iii), Komponente Marienbad.
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