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Die erste Wintersaison 1923/24: Bobbahn, Rodelbahn und die Helmer-Schanze

Im Winter 1923/24 sollte Marienbad erstmals auch in der kalten Jahreszeit Gäste empfangen. Ein Wintersportclub, Hoteliers und ein Abt gaben der Stadt dafür eine Bobbahn, eine Rodelbahn, eine Sprungschanze und Eisflächen. Ein Blick zurück auf die Saison, die den Winter in den Kurort brachte.

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Die erste Wintersaison 1923/24: Bobbahn, Rodelbahn und die Helmer-Schanze

Ein Kurort im Schnee — vor über hundert Jahren

Wer heute im Winter nach Marienbad kommt, findet verschneite Kolonnaden, warme Bäder und einen Kurpark, der im Schnee besonders still wirkt. Wie Marienbad im Winter aussieht, haben wir an anderer Stelle beschrieben. Dass die Stadt überhaupt als Winterziel gilt, ist allerdings keine Selbstverständlichkeit: Marienbad war über lange Zeit vor allem ein Sommerkurort; viele Häuser blieben im Winter geschlossen.

Das änderte sich mit einem Versuch, den die Hotelzeitung der Ensana-Häuser 2023, hundert Jahre danach, wieder in Erinnerung rief: der ersten offiziellen Wintersportsaison 1923/24.

Schneebedeckte Bäume im Kurpark, rechts ein Denkmal mit grünlicher Bronzefigur auf rotem Sockel
Der Kurpark im Winterkleid: Was heute Ruhe ausstrahlt, sollte in der Saison 1923/24 zur Kulisse für Sport und Geselligkeit werden.

Warum überhaupt ein Winter?

Fünf Jahre nach Kriegsende steckte auch der Kurbetrieb noch in wirtschaftlichen Schwierigkeiten; die Gästezahlen stiegen nicht. Der örtliche Wintersportverein, der Winter Sport Club (WSC) mit etwa 120 aktiven Mitgliedern, kam auf eine Idee: Man wollte einige Hoteliers überzeugen, ihre Häuser auch im Winter geöffnet zu halten, und rief für die Zeit von Dezember 1923 bis März 1924 eine Wintersaison aus.

Damit die Gäste einen Grund zur Anreise hatten, stellte man ein breit angelegtes Angebot zusammen.

Das Programm der Saison

Die Bobbahn. Die Hauptattraktion sollte eine Bobbahn sein, die am Hotel Krakonoš begann und bis zur früheren Markthalle führte. Für sie wurden 1 600 Meter Länge und vier Kurven genannt; Start und Ziel waren telefonisch verbunden, und die Strecke war elektrisch beleuchtet.

Die Rodelbahn. Eine große Rodelbahn begann am Kamzík und endete nach etwa 1 000 Metern und vier Kurven in der Waldstraße (Lesní ulice). Es fuhren Einzelne, Paare und Jugendliche, in der Fahrt ebenso wie im Wettbewerb.

Skikurse und Ausflüge. In den einzelnen Hotels unterrichteten Skilehrer. Für Skifahrer waren Touren in die Umgebung vorgesehen — zur Kladská, zum Wolfsrücken (Vlčí hřbet) und zum höchsten Punkt der Umgebung, dem Lesný — sowie Rennen in Abfahrt, Lauf und Staffel. Als Spaß im Programm stand auch eine Schnitzeljagd.

Die Helmer-Schanze. Im tiefen Tal zwischen dem Lunapark und der Talsperre entstand die Helmer-Skisprungschanze. Die Springer sprangen von einem steilen Hang über den Kamenný potok (Steinbach) und landeten auf einer Wiese an der Straße. Benannt war sie nach dem damaligen Abt Gilbert Helmer, vermutlich weil das Kloster das Gelände zur Verfügung gestellt hatte. Im Gelände sollen sich noch Spuren finden lassen. Derselbe Abt leitete 1912–1913 die Erweiterung des Neuen Bads.

Eisflächen. Natürliche Eisflächen gab es auf den Tennisplätzen an der Waldquelle und im Park unterhalb der Villa Lil, dort auch mit Eislauflehrern. Vorgesehen waren Eiskunstlaufwettbewerbe mit abendlichen Konzerten und Kostümwettbewerben auf Schlittschuhen. In der Stadt bildete sich außerdem eine Eishockeymannschaft, die Schauspiele zeigen sollte.

Pferdeschlitten. Ausgeschrieben waren schließlich Schlittenrennen mit Ein- und Zweispännern. Mit Pferdeschlitten unternahm man Ausflüge in die Umgebung und drehte auf den Straßen der Stadt den Korso.

Verschneite Säulenhalle im Kurpark vor einem bewaldeten Hang, im Vordergrund Spuren im Schnee
Winterspaziergang zur Säulenhalle: Der Kurwald, in dem einst Skiläufer ihre Touren begannen, ist auch heute ein Ziel für Wanderer.

Wie die Einheimischen den Winter erlebten

Die Wintervergnügen der ersten tschechoslowakischen Republik nutzten eher die Einheimischen als auswärtige Gäste. Unter den Wintersportarten dominierte das Rodeln, zumal die Straßen an den Hängen — und das waren die meisten — bei Schnee für Fuhrwerke gesperrt wurden. Gerodelt wurde vor allem auf der Alten Karlsbader Straße, auf Waldwegen vom Beskyd und vom Kamzík hinunter zur Lesní ulice, auf der Kladská-Straße, unterhalb des Panorama, bei Karkulka und im Pottovo údolí. Für die Kleinsten genügten die kurzen Hänge der Parks.

Was wir wissen — und was nicht

Die Beschreibung stützt sich auf einen Beitrag der Hotelzeitung, der wiederum auf einer örtlichen Geschichtsseite fußt. Die genannten Längen, Kurvenzahlen und Ausstattungen entstammen dem damals ausgerufenen Programm; wie lange und wie regelmäßig die Anlagen im Winter 1923/24 tatsächlich in Betrieb waren, ist in den uns vorliegenden Unterlagen nicht festgehalten. Auch die Lage einzelner Orte — etwa der früheren Markthalle oder der Villa Lil — lässt sich von heute aus nur ungefähr rekonstruieren. Wir erzählen die Geschichte deshalb als das, was sie war: ein mutiger Plan, mit dem Marienbad seinen Kalender erweitern wollte.

Und heute?

Heute lässt sich Marienbad ganzjährig erleben, mit Spaziergängen im Schnee, Langlaufmöglichkeiten im Kaiserwald und den Bädern der Ensana-Häuser. Wer sich für die sportliche Seite der Stadt interessiert, findet einen Überblick im Beitrag Sportliches Marienbad. Den Gedanken, dass die Stadt auch im Winter ihre eigene Stimmung hat, brachte die Saison 1923/24 in die Welt — und aus heutiger Sicht war er nicht die schlechteste Idee.

Winterabend im Kurpark: beleuchtete Bäume und Wasserstrahlen der Singenden Fontäne vor einer Säulenhalle im Schnee
Winterabend im Kurpark: Ein Kurort, der auch in der kalten Jahreszeit seinen eigenen Zauber hat.

Quellen

Studien und offizielle Dokumente, auf die sich dieser Artikel stützt. Unsere Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.

  1. Marienbad News, Winter 2023 (Ensana Health Spa Hotels) — Beitrag „Aus der Geschichte: Der erste Versuch einer winterlichen Kursaison im Jahr 1923“ — Gedruckte Ausgabe der Hotelzeitung (nur tschechisch); der Beitrag nennt als Quelle die lokale Geschichtsseite Hamelika. Die Angaben zu Längen, Kurven und Ausstattung stammen aus dem damals ausgerufenen Saisonprogramm und sind hier in eigenen Worten wiedergegeben; unabhängig belegt sind sie in den uns vorliegenden Unterlagen nicht.
  2. Neue Bäder — 130 Jahre (Marienbad.com) — Abt Gilbert Helmer leitete 1912–1913 die Erweiterung des Neuen Bads.
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