Land der Burgen
Westböhmen war jahrhundertelang Grenzland — und Grenzen werden mit Burgen bewacht. Im Umkreis einer Fahrstunde von Marienbad stehen mehr als ein Dutzend, stolz erhalten oder malerisch verfallen. Wir haben die sieben schönsten ausgewählt: Die ersten drei bieten klassische Führungen, die übrigen vier sind frei zugängliche Ruinen für Romantiker und Wanderer.
1. Elbogen (Loket) — gotische Perle über der Eger
Mit dem Auto: 40 Minuten | Vor Ort: 2–4 Stunden
Gäbe es einen Wettbewerb um Böhmens fotogenste Burg — Loket stünde im Finale. Die gotische Feste erhebt sich auf einem Felsen in einer engen Egerschleife, darunter duckt sich ein Städtchen, in dem die Zeit stehen geblieben ist. Goethe feierte hier seinen Geburtstag; heute locken die Burg mit Folter- und Porzellanausstellung und im Sommer Open-Air-Konzerte im Amphitheater am Fluss.
2. Petschau (Bečov) — die Burg mit dem Schatz
Mit dem Auto: 30 Minuten (oder mit der Bahn durchs Tepltal) | Vor Ort: 2–3 Stunden
Zwei Burgen in einer: Über dem Städtchen schichten sich mittelalterliche Burg und barockes Schloss. Der Hauptmagnet ist das Reliquiar des heiligen Maurus aus dem frühen 13. Jahrhundert — romanische Goldschmiedekunst, die eine dramatische Reise durch die Geschichte unter den Boden der Burgkapelle führte, wo Kriminalisten sie 1985 wiederfanden. Nach den Kronjuwelen das wertvollste bewegliche Denkmal des Landes.
3. Königswart (Kynžvart) — das Schloss des Kanzlers Metternich
Mit dem Auto: 15 Minuten | Vor Ort: 1,5–3 Stunden
Am nächsten liegt das klassizistische Schloss jenes Mannes, der nach Napoleons Sturz die Landkarte Europas neu zeichnete. Kanzler Metternich versammelte in Königswart ein berühmtes Kuriositätenkabinett — von ägyptischen Mumien bis zu persönlichen Gegenständen Napoleons — und eine Daguerreotypie-Sammlung, die zum UNESCO-Weltdokumentenerbe zählt. Der weitläufige englische Park ist ideal für Spaziergänge mit Kinderwagen und Hund.
4. Guttenstein (Gutštejn) — die romantischste Ruine
Mit dem Auto: 35 Minuten + kurzer Fußweg | Vor Ort: 1,5–3 Stunden
Über dem stillen Tal der Hadovka ragt der mächtige Turm von Gutštejn aus den Wäldern. Kein Eintritt, keine Öffnungszeiten — nur Stille, Gemäuer und Aussicht. Am schönsten ist der Fußweg von Okrouhlé Hradiště oder die längere Rundwanderung von Konstantinsbad aus.
5. Pfraumberg (Přimda) — Böhmens älteste Steinburg
Mit dem Auto: 45 Minuten + Aufstieg | Vor Ort: 1,5–2,5 Stunden
Der romanische Donjon aus der Zeit um 1121 gilt als älteste Steinburg auf böhmischem Boden. Die Reste des mächtigen Turms bewachen einen markanten Kegel über dem gleichnamigen Städtchen am alten Landessteig nach Bayern; der kurze, knackige Aufstieg belohnt mit Blicken tief in den Böhmischen Wald und über die Grenze.
6. Schwanberg (Krasíkov) — die Burg über den Feldern
Mit dem Auto: 35 Minuten + Aufstieg | Vor Ort: 1–2 Stunden
Der Stammsitz der Herren von Schwanberg krönt den freistehenden Ovčí vrch, der sich direkt aus den Feldern erhebt — eben deshalb bietet er einen der schönsten Rundblicke Westböhmens. Erhalten sind die Burgkapelle und Teile der Befestigung; die Atmosphäre vollendet eine Stille, die Touristenströme hier nie gestört haben.
7. Engelsburg (Andělská Hora) — Aussicht wie von Engeln
Mit dem Auto: 50 Minuten + kurzer steiler Aufstieg | Vor Ort: 1–1,5 Stunden
Eine gotische Ruine auf steilem Felskegel kurz hinter Karlsbad. Der Aufstieg dauert nur eine Viertelstunde, doch der Blick gehört in die Kategorie unvergesslich: vom Erzgebirgskamm über das Duppauer Gebirge bis zum Kaiserwald. Ideale Station auf dem Rückweg von Karlsbad, auch im Winter schön.
Bevor Sie losfahren
Loket, Bečov und Kynžvart bieten klassische Besichtigungsrundgänge — in der Saison empfiehlt sich die Reservierung. Gutštejn, Krasíkov und die Engelsburg sind ganzjährig frei zugänglich; das Areal von Přimda hat Besuchszeiten und ist außerhalb der Saison meist geschlossen. Festes Schuhwerk überall vorausgesetzt. Alle sieben Burgen und weitere Ziele finden Sie mit dem Filter „Burgen & Klöster" in unserem Ausflugskatalog.
Titelfoto: Pakos, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons




