Ein Land, in dem die Erde atmet
Die Heilquellen Marienbads sind kein Zufall: Westböhmen liegt auf Bruchlinien der Erdkruste, wo der Vulkanismus zwar längst erloschen ist, die Tiefe aber bis heute atmet. Die Kohlensäure, die die hiesigen Säuerlinge perlen lässt, tritt auch anderswo zutage — in Mofetten, Mooren und an erloschenen Kratern. Fünf Ausflüge für alle, die die Heilkraft der Region mit eigenen Augen sehen wollen.
1. Soos — das böhmische Yellowstone
Mit dem Auto: 45 Minuten | Vor Ort: 1–2 Stunden
Das Nationale Naturreservat Soos ist das eindrucksvollste vulkanische Schauspiel Böhmens: Auf Holzstegen durchqueren Sie den Grund eines ausgetrockneten Mineralsees, ringsum blubbern Schlammvulkane — die Mofetten —, Gasaustritte zischen, und der Boden schillert in Mineralfarben. Eine Landschaft wie in Island — und doch nur einen Katzensprung hinter Franzensbad.
2. Kammerbühl (Komorní hůrka) — der Vulkan, den Goethe erforschte
Mit dem Auto: 35 Minuten | Vor Ort: 30–90 Minuten
Böhmens jüngster Vulkan spie zuletzt vor Hunderttausenden von Jahren, in die Wissenschaftsgeschichte trat er im 19. Jahrhundert ein: Den Gelehrtenstreit um den Ursprung der Vulkane wollte Johann Wolfgang Goethe mit einem eigens getriebenen Erkundungsstollen entscheiden. Heute ist der Kraterhügel bei Eger ein sanfter Spaziergang mit Tafeln, die an das berühmte Experiment erinnern.
3. Smraďoch — Schwefel, zehn Minuten vom Kurort
Mit dem Auto: 10 Minuten | Vor Ort: 30–60 Minuten
Das nächstgelegene Vulkanerlebnis: ein Moor, in dem Schwefelwasserstoff und Kohlendioxid aus der Erde perlen. Ein kurzer Holzsteg führt direkt über die dampfenden, blubbernden Tümpel — und den Namen des Reservats („Stinker") versteht man, noch bevor man sie sieht. Ideale Station auf dem Weg nach Kladská.
4. Podhornberg (Podhorní vrch) — der erloschene Wächter des Kurorts
Mit dem Auto: 15 Minuten + kurzer Aufstieg | Vor Ort: 1–2 Stunden
Die höchste Erhebung rund um Marienbad (847 m) ist der Rest eines Tertiärvulkans — und Goethe, seiner geologischen Leidenschaft treu, bestieg ihn 1822 persönlich. Von den Gipfelfelsen öffnet sich ein Rundblick über Kaiserwald, Böhmischen Wald und das Tepler Hochland. Der Basalt aus dem Steinbruch unterhalb des Gipfels pflasterte einst Marienbads Straßen.
5. Parkstein — Europas schönster Basalt
Mit dem Auto: 50 Minuten | Vor Ort: 1–2 Stunden
Alexander von Humboldt erklärte den Hohen Parkstein zum „schönsten Basaltkegel Europas" — und angesichts der dreißig Meter hohen Wand aus perfekt geschichteten Basaltsäulen gibt man ihm recht. Auf dem Schlot steht ein Wallfahrtskirchlein, im bayerischen Städtchen darunter ein modernes Vulkanmuseum, in dem Kinder ihren eigenen Vulkan ausbrechen lassen dürfen.
Die vulkanische Spur im Kurort
Zurück in Marienbad, kosten Sie an der Kolonnade einen der Säuerlinge: Die Kohlensäure, die darin perlt, ist das letzte Echo derselben Tiefenkräfte, die Soos und Parkstein schufen. Alle vulkanischen Ziele finden Sie in der Kategorie „Natur" unseres Ausflugskatalogs.
Titelfoto: Lubor Ferenc, CC BY 4.0, Wikimedia Commons




